Die Porzellinerstadt Kahla und ihre OM's

Kahla und die Funkgeschichte

Es sei uns an dieser Stelle der Hinweis auf ein relativ unbekanntes Datum in der Geschichte der Stadt Kahla gestattet. Es handelt sich dabei um die weltweit erste versuchsweise UKW-Funkverbindung, welche 1925 Prof. Abraham Esau zwischen Jena und Kahla experimentell realisierte. Es ist zwar bisher nicht belegt, über welche genaue Strecke diese Übertragung zustande kam, gegebenenfalls zwischen der Leuchtenburg und dem Jenaer Landgrafen, welcher sich relativ nahe an dem Gebäude des physikalischen Instituts der Universität Jena befindet, trotzdem findet dieses Ereignis Beachtung in vielen Veröffentlichungen zur Geschichte der Funktechnik.  Abraham Esau war damals Leiter dieses Instituts und experimentierte unter anderem mit Frequenzen im UKW-Bereich. Nebenbei  möchten wir Funkamateure ergänzen, dass ebenfalls 1925 der erste überregionale deutsche Amateurfunkverband, der Deutsche Funktechnische Verband e.V., gegründet worden war und Abraham Esau mit dem Amateurfunkrufzeichen EK4AAL zu seinem ersten Präsidenten gewählt wurde.  Mit Hinweis auf das oben genannte Jubiläum dieses funktechnischen Versuches möchten wir Kahlaer daran erinnern, dass dieses Datum besonders mit  Blick auf den im Jahr 2025 anstehenden 100-jährigen Jahrestag in unserer Stadtgeschichte mehr Bedeutung erfährt. 

Aber auch eine andere Geschichte deutet auf die Nähe Kahlas zur Funktechnik hin. Es lag im Wirken des Kahla Konzerns begründet, neben der Produktion von Gebrauchsgütern aus Porzellan auch die technische Keramik, also die Herstellung von Isolatoren und Werkstoffen für elektronische Bauelemente jeglicher Art, zu integrieren. Die Fertigung solcher Bauelemente erfolgte u.a. in der zum Kahla Konzern gehörenden HESCHO Hermsdorf und darüber ist wiederum eine Verbindung mit dem Physikalischen Institut der Universität Jena nachweisbar. Mitarbeiter am Institut von Prof. Esau waren die beiden Herren Lothar Rohde und Hermann Schwarz, welche dort 1931 promoviert wurden. Sie trafen auf den Oberingenieur Hans Handrek von der HESCHO, welcher auf der Suche nach geeigneten Messverfahren für neue keramische Werkstoffe war, die besonders in der Fertigung von Kondensatoren sowie Spulenkörpern Verwendung finden sollten. Durch nunmehr Dr. Rohde und Dr. Schwarz wurde die hochpräzise Messtechnik für den in der Elektronik umfassend verwendeten Werkstoff namens Calit entwickelt und gebaut. Übrigens gründeten Rohde und Schwarz 1933 die Firma Rohde & Schwarz, welcher sich zum Weltkonzern entwickelte und auf dem Gebiet der Funktechnik sowie der funktechnischen Präzisionsmesstechnik eine führende Rolle spielt.